Freude über hohe Noten und Unverständnis über tiefe Punkte
Hohe Noten hinterfragt man nicht, sondern nimmt sie freudig entgegen. Ungewohnt tiefe Noten zweifelt man hingegen gerne an. So geschehen an den Zürcher Kantonalen Gerätemeisterschaften in Bonstetten vom 5./6. September 2026, wo der Turnverein Kloten erfolgreich die Wettkampfsaison der Jugendkategorien beendete.
Trotz Sommerpause in Form
Nach der langen Sommerpause galt es auch für die jüngeren Turnerinnen und Turner, wieder in Form zu kommen. Insbesondere in der Kategorie 1 blieb dafür nicht viel Zeit: Mit nur einem Training pro Woche mussten die Übungen innert kürzester Zeit wieder gefestigt werden. Rafaela Quesada Pinto, Laura Ingrisani und Ella Hollenstein meisterten diese Herausforderung jedoch mit Bravour und klassierten sich so weit vorne wie noch nie. In einem Teilnehmerfeld von 354 Mädchen erreichten die drei Turnerinnen hervorragende Ränge: Rafaela belegte den 51. Platz, Laura wurde 95. und Ella 101. Besonders am Reck wusste Rafaela zu überzeugen. Die Wertungsrichter hatten an ihrer Übung kaum etwas auszusetzen und belohnten sie mit der hervorragenden Note 9.45. Lauras Recknote lag mit 9.05 Punkten ebenfalls auf sehr hohem Niveau, zusätzlich erturnte sie sich am Boden eine starke 9.00. Ellas beste Note war eine 9.10 am Sprung. Die Stärken waren damit breit verteilt, gemeinsam war hingegen die Freude über die verdiente Auszeichnung. Leid und Freud liegen im Turnen oft nahe beieinander. So verpasste Aurora Bilalli eine Auszeichnung mit der denkbar knappsten Differenz von nur 0.05 Punkten. Auch Emma Hoffmann und Jakub Hernik zeigten am Reck starke Leistungen, mussten jedoch gleichzeitig einige tiefere Noten in Kauf nehmen. Für eine Auszeichnung reichte es deshalb diesmal noch nicht.
Grosse Freude über hohe Noten
Schön zu sehen waren auch die strahlenden Gesichter der sechs Mädchen der Kategorie 2 am Ende des Wettkampfes. Die tiefen Noten hatten sie längst vergessen, die Freude über einige sehr hohe Wertungen überwog. Lira Mehmeti, Tina Merk und Mia Roberts konnten sich alle über zwei Noten von über 9 Punkten freuen, die sie in der Rangliste weit nach vorne brachten. So gab es bei der Rangverkündigung und bei der Entgegennahme der Auszeichnung gleich nochmals strahlende Gesichter. Den Höhepunkt setzte die 9.50 für die Reckübung von Mia Roberts. Dies war die zweitbeste Note aller 329 Turnerinnen der Kategorie 2 und wurde in der gut besetzten Halle von Bonstetten sogar über die Lautsprecheranlage ausgerufen. Auch Emily Steiner, Joya Bürge und Ilaria Merlo liessen sich von der Freude über die hohe Note anstecken, auch wenn es für sie selbst nicht zu einer Auszeichnung reichte.

In der Kategorie 3 bestätigten Lotti Hunyady und Timea Widmer mit ihren Leistungen den Entscheid, in der kommenden Saison in eine höhere Kategorie wechseln zu dürfen. Lotti erreichte dank drei Noten über 9 Punkten eine hervorragende Gesamtpunktzahl von 36.30 und sicherte sich damit den 37. Rang von insgesamt 263 Turnerinnen. Auch Timea freute sich über die 36.00 Punkte, was einen Notenschnitt von 9.00 bedeutete. Sie zeigte eine überzeugende Bodenübung, die mit 9.35 belohnt wurde. Lotti wiederum erhielt ihre Höchstnote von 9.25 für ihren hohen Minitrampsprung. Natalia Zgkouri und Lars Huber schafften den Sprung in die Auszeichnungen diesmal noch nicht ganz. Insbesondere Lars fehlte dafür aber nur ganz wenig. Doch die nächste Saison bietet neue Chancen. Neue Turnerinnen und Turner werden von unten dazustossen, während die Besten eine Stufe höher aufsteigen werden. Mit der gesammelten Wettkampferfahrung und den weiteren Trainings werden auch sie die ersehnte Auszeichnung erreichen.

Unverständnis für tiefe Noten
In den Gesichtern der Kategorie-4-Turnerinnen waren einiges an Unverständnis und auch Konsternation über die Noten abzulesen. Die erfolgsverwöhnten und starken Turnerinnen Emily Horisberger und Inara Zuka turnten souverän und auf einem vergleichbaren Niveau wie bei den bisherigen Wettkämpfen. Einzig die Noten fielen durchgehend deutlich tiefer aus als gewohnt. Ganz erklären konnte sich die ungewöhnliche Bewertung niemand.
Doch genau das gehört zu einer Sportart, in der die Leistungen nicht direkt messbar sind. Auch nicht immer nachvollziehbare Noten müssen akzeptiert und richtig eingeordnet werden. Rang 43 und Rang 52 von insgesamt 231 Turnerinnen sind zwar weiterhin hervorragende Klassierungen. Nach regelmässigen Top-20-Platzierungen und Podestplätzen waren sie verständlicherweise dennoch kein Grund zum Jubeln. Es ist deshalb an der Zeit, dass die Wettkampfsaison für diese Jugendkategorien zu Ende geht und das Wintertraining mit neuen Elementen und Herausforderungen bevorsteht.
Nicole Volkart




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